Bandbiografie, Beziehungsgschichte, Familienstory, Entwicklungsroman… all das sind Elemente des Brings-Buches, das am 26.10.2014 im Gürzenich vorgestellt wurde.
Peter Brings bezeichnete den Moment der Rückschau auf 23 Jahre als Rockband als „quasi Halbzeit“. Man habe das Buch jetzt gemacht, weil sich später „wahrscheinlich niemand mehr erinnern kann.“
Begierig saugten die überwiegend weiblichen Fans jede Information der Bandgeschichte auf, die Uli Kreikebaum, Journalist beim Kölner Stadt-Anzeiger, über Monate zusammengetragen hatte. Schon vor der Beginn der Veranstaltung, einer Mischung aus Lesung und Konzert, hatten viele Fans das Buch mit dem Titel „Superjeilezick“ erworben.
Sehr viele griffen auch zu dem von Gerd Köster gelesenen Hörbuch, der auf der Bühne mit Charme und Augenzwinkern einige Passagen daraus zum Besten gab. Über die ersten Gehversuche in der Musik, Fehlversuche in englischer Sprache, dann die Entdeckung der kölschen Wurzeln. Es brauchte mehrere Anläufe, bis Stephan und Peter Brings, Harry Alfter und Christian Blüm und schließlich Kai Engel ein stimmiges eigenes Profil entwickelt hatten. Dass es bis dahin heftige Kollisionen zwischen den Bandmitgliedern gab, konnte man sich anhand der geschilderten unterschiedlichen Mentalitäten lebhaft vorstellen.
In dem Buch wird aus dem Proberaum geplaudert, wie aus dem Nähkästchen. Die Musiker lassen ihre Fans nah heran. Dabei – so hat man den Eindruck – geht es nicht vorrangig um Selbstdarstellung. Das Eingeständnis von Irrwegen, Rausch und Absturz, Erinnerungen an Erfolgstaumel und Bandkrisen und ihre gewissermaßen proletarische Erdung unterstreichen die Ernsthaftigkeit dieser unter anderem auch Karnevalsband.
Man erfährt Hintergründe zum Einstieg in das Sessionsgeschäft, über das Aushandeln von Plattenverträgen und die Besonderheit von Auftritten auf Mädchensitzungen, wo nicht selten Autogramme auf die blanke Brust gewünscht werden. Schließlich das Wagnis, ihr 20-jähriges Bandjubiläum ins Müngersdorfer Stadion zu verlegen.
Ein Screen auf der Bühne zeigt Bilder aus vergangenen Jahren, Szenen aus Videos und das erste Brings-Titelblatt des Kölner Express: „Singverbot für Stephan Brings!“ Mit „Poppe, Kaate, Danze – dat kannste“ – einem Ausspruch, mit dem Brings-Großvater seinen Sohn Rolli zu schelten pflegte, hatte der Enkel einen Hit geschrieben, der von Manchen als Aufforderung verstanden und/oder schlicht als unflätig abgelehnt wurde. Doch der Hit funktioniert bis heute.
Auf der Bühne und im Buch wird auf das Netz aus Unterstützern verwiesen, das der Band an entscheidenden Stellen geholfen hat: die Höhner und die Paveier, „Major“ Heuser, Musikmanager Karl Heinz Pütz. Und noch jemand kommt zu Ehren, dem ein weiterer Erfolgshit zu verdanken ist:
Komponist Gerhard Jussenhoven. Der Grandseigneur des Kölschen Schlagers hatte in fortgeschrittenem Alter der Neuauflage seines Titels „Man müsste nochmal 20 sein“ zugestimmt und freute sich über den späten Ruhm auf den Bühnen seiner Heimatstadt. Obwohl ihm die Musik von Brings geschmacklich nicht wirklich nahe war. „Dieser Pockrop sei doch eher etwas für die jüngere Generation.“ (Wobei Pockrop nicht als Schreibfehler zu lesen ist, sondern Jussenhoven im Wortlaut zitiert.)
Lieder von der ersten Platte bis zur letzten CD begleiteten die erzählte Bandgeschichte. Mal melancholisch, mal mitreißend. Köster, der als Vorleser begeisterte, leistete mit Frank Hocker ebenfalls einen musikalischen Beitrag, der genauso gefeiert wurde wie u.a. „Superjeilezick“, „Bis ansMeer“ und „Kölsche Jung“.Ein Konzert im Sitzen und ein Auftritt, in dem sie zugleich Hauptfiguren und Zuhörer sind, mit dieser neuen Erfahrung haben Brings die zweite Halbzeit ihrer Bandgeschichte eröffnet.
In seiner Verabschiedung nutzte Peter Brings die Gelegenheit, einmal mehr die Haltung der Band gegen Rechte Gewalt und Neonazis deutlich zu machen. Kurz vor der Lesung war sie im Rahmen der friedlichen Gegendemo am Hauptbahnhof gegen rechtsextreme Randalierer aufgetreten. Die Erschütterung über deren massives Auftreten und die Ausschreitungen war dem Frontmann deutlich anzumerken. Sein engagiertes Statement brachte einen zentralen Aspekt im Wirken von Brings auf den Punkt und beendete es die Veranstaltung mit einem eindrücklichen Schlussakkord.
Ulrich Kreikebaum
Brings. Superjeilezick. Das Leben ist ein Rockkonzert
ISBN: 978-3-462-03842-2
288 Seiten, 15,00 €
erschienen bei KiWi













